Zuhause

Nachdem es in letzter Zeit nur Listen gab, heute einmal ein längerer Text zum lesen. Ich hoffe, er langweilt euch nicht, liebe Leser.

Wenn man mich fragt, was Zuhause ist, kommt es auf die Definition an.

Ist es der Ort an dem ich eine Zahnbürste stehen habe, dann habe ich vier Orte, die ich Zuhause nenne. Mein Heimatort, mein Studienort, das Haus, in dem mein Freund wohnt (wir kommen aus einer Stadt) und der Studienort meines Freundes. Ich fühle mich in allen heimisch.

Vier Zahnbürsten! So viele hat kein Zahnarzt.

Oder ist für mich als Bücherwurm der Ort entscheidend, an dem meine Bücher sich befinden, dann verringern sich die Orte schon auf zwei: meinen Heimat- und meinen Studienort, wobei der Großteil sich an ersterem Ort befindet. Nichtsdestotrotz. Außerdem gibt es ja städtische Bibliotheken. Nun, aber ich ziehe es vor, Bücher, die ich besitze, nicht zu leihen, sondern mein Exemplar zu lesen. Für mich wäre es seltsam, ein Buch zu leihen, vielleicht in einer anderen Ausgabe, und zu lesen, wissend, dass ich es besitze.

Außerdem wäre dann jede Bibliothek meine Heimat. Was, wenn ich’s recht betrachte, auch stimmt.

„Home is where the heart is.“ ist ein gängiger Satz. Allerdings weiß mein Herz nicht, wo sein Zuhause ist.  Manchmal fühle ich mich zerrissen. Einerseits gehöre ich zu meiner Familie, andererseits möchte ich soviel Zeit wie möglich mit meinem Freund verbringen, wenn wir mal das „Fern“ aus unserer (Fern)Beziehung gestrichen haben. Außerdem sind alle drei Städte schön.

D., weil dort meine Familie lebt und ich viele Erinnerungen mit diesem Ort verbinde, gute sowie schlechte. Außerdem, wie gesagt, mein Freund wohnt dort ursprünglich auch.

In L. studiere ich. Es ist eine wunderschöne Stadt, größer als D. und nur eine Stunde entfernt. Hier sind meine Kommilitonen, meine anderthalb Mitbewohner, eine Freundin und viel Kultur. Auch hier bauen sich langsam einige Erinnerungen auf. Über Erinnerungen könnte ich einen eigenen Eintrag schreiben.

Zu guter Letzt R. Hier lebt mein Freund. Während des Semesters trennen uns gut vier Stunden, nicht viel, aber genug. Ich glaube, dass Entfernung bei einer Fernbeziehung keine so große Rolle spielt. Man ist nicht zusammen, das ist das Wichtige. Ob es fünfzig, fünfhundert  oder fünftausend Kilometer sind, ist egal.

Vielleicht ist es meine Eigenart, sich überall heimisch zu fühlen. Ich brauche mich eigentlich nur in fremder Umgebung etwas auszubreiten (meist tue ich das auf exorbitante Art und Weise) und schon fühle ich mich wohler, aber das ist nicht dasselbe.

Man kann nur in seinem Zuhause sich wirklich frei fühlen, sich benehmen, wie man möchte. Nur sein Zuhause kann man in Besitz nehmen.

Selbst mein Wohnheimzimmer in L. ist nur geborgt. Ich werde, sobald mein Studium beendet ist, hier ausziehen und woanders einziehen, vielleicht für ein Jahr. Dann, wenn mein Freund fertig ist und wir noch zusammen sind, werde ich versuchen, mit ihm zusammenzuziehen, wieder an einem anderen Ort. Für eine Weile werde ich heimatlos umherwandern, ohne Möbel, ohne Zuhause, ohne Seele.

Erst wenn ich eine neue Wohnung gefunden habe, werde ich einen Ruhepunkt für meine Seele finden.

Wie ich jetzt von der Seele zum Herz komme, ist mir selber schleierhaft.

Wie dem auch sei, hier das Fazit dieser Ergüsse:

Wenn man mehrere Orte hat, die man „Zuhause“ nennt, dann hat mein kein wirkliches Zuhause.

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