Ein Vergleich zwischen zwei fiktiven Charakteren

Sherlock Holmes (von Sir Arthur Conan Doyle) und Aloysius X. L. Pendergast (von Douglas Preston und Lincoln Child)

Hintergrund des Charakters:

Sherlock Holmes ist ein Detektiv in London, der in den Kriminalgeschichten von Arthur Conan Doyle auftaucht. Zusammen mit seinem Partner und Freund John Watson löst er mit seiner ihm eigenen Denkmethode verzwickte Fälle allein durch Denken (und manchmal mit Hilfsmitteln). Er ist ungemein populär und bekannt. Es existieren viele Verfilmungen (zuletzt mit Rober Downey Jr. als Holmes).

Aloysius Pendergast ist eine Figur, in den Thrillern des Autorenduos Preston/Child öfter auftaucht. Zunächst nur Nebenrolle, wuchs sich seine Bedeutung rasch aus; er ist inzwischen Protagonist einiger Romane. Als Special Agent des FBI (Abteilung New Orleans) ist taucht er immer auf, wenn es vermeintlich übernatürliche Morde geht.

Aussehen:

Beiden gemein ist die große, schlanke bis drahtige Statur, die blasse Gesichtsfarbe und die hellen grauen Augen. Über Holmes‘ Haarfarbe wird Widersprüchliches gesagt; Pendergast hingegen ist blond, sehr blond („semmelblond“).

Pendergast hat einen exquisiten Geschmack, er trägt maßgefertigte (immer schwarze) italienische Anzüge und Schuhe von Lobb.  Holmes kleidet sich für seine Zeit „normal“, wie ein Bürger der Mittelschicht, trägt aber häufig einen Morgenmantel. Legendär ist sein Talent zur Verkleidung.

Familie:

Beide haben einen Bruder, der sie noch übertrifft.

Sherlock Holmes‘ Bruder, Mycroft Holmes, wird als „noch intelligenter“ beschrieben. Er ist für die britische Regierung tätig, in beratender Funktion und nutzt seine Gabe derart, dass er unentbehrlich ist. Von restlichen Angehörigen weiß man nichts.

Der Pendergast-Stammbaum ist weit verzweigt, und viele Äste sind verdorrt. Mit seinem jüngeren Bruder Diogenes bildet Pendergast die letzten Sprosse seiner Familie. Doch sind sie beide kinderlos, Pendergasts Frau starb vor einiger Zeit. Da der Wahnsinn in den Genen der Pendergasts liegt (und Diogenes dem offenbar anheim gefallen ist), scheint Aloysius sich zu weigern, einen Erben zu zeugen. Es gäbe sogar eine geeignete Frau, doch was aus beiden wird, ist noch offen. Sein Bruder Diogenes ist ebenfalls intelligenter als er, doch nutzt er sein Genie für das Verbrechen. So sind die ungleichen Brüder Todfeinde.

Eine lebende Verwandte ist Pendergasts Großtante Cornelia, die er besucht, wenn es Rat sucht. Die greise, aber immer noch aktive Dame lebt in einem Altenheim für Straftäter. Leider ist auch sie verrückt.

Weiterhin ist Pendergast Vormund für eine junge, geheimnisumwobene Dame namens Constance Green.

Wohnung:

Sherlock Holmes wohnt in einer Wohnung in London (die Adresse, genauer die Hausnummer, ist fiktiv), später er hat ein Cottage an der Küste (wo genau, ist mir entfallen) und widmet sich der Bienenzucht.

Neben einer luxuriösen Wohnung im Dakota besitzt Pendergast ein Haus in New York, das er geerbt hat. Dieses Haus sieht von außen verfallen aus, ist aber sehr prächtig ausgestattet.

Die Villa der Pendergasts in New Orleans, die auch das Zuhause von Pendergasts Eltern und seinem Bruder war, brannte nieder, wobei seine Eltern starben.

Finanzielle Mittel:

Beide sind finanziell unabhängig, wobei Pendergast gewiss das größere Vermögen aufweist.

Freunde und Personal:

Außer John Watson scheint Holmes keine Freunde im engeren Sinn zu haben, doch bestehen gute Beziehungen zum Scotland Yard und der Londoner Polizei, vor allem zu Inspector Lestrade. Außerdem hat Holmes ein Netz von Informanten in der Unterwelt etabliert, die ihn mit Informationen versorgen. Weiterhin gibt es noch seine Vermieterin Mrs. Hudson.

Bei Pendergast sieht die Sache etwas anders aus, da sich Freunde und Personal teilweise überschneiden: So ist sein Chauffeur Proctor (ein Mann, über den man wenig weiß, außer dass er schweigsam ist und ein Maschinengewehr sehr schnell zusammenbauen kann) ein harter Fall, ebenso Wren, ein seltsamer Bibliotheksbewohner (sehr sympathisch), der für Pendergast schwierige Sachverhalte recherchiert. Wren kümmert sich auch in Pendergasts Abwesenheit um dessen Mündel. Eben dieses, Constance, hegt eine enge Beziehung zu ihrem Vormund.

Mit dem New Yorker Polizisten Vincent D’Agosta verbindet Pendergast wirklich so etwas wie Freundschaft. Sie ermitteln sehr oft zusammen, und manchmal teilt er auch seine Gedanken mit D’Agosta. Weitere freundschaftliche Beziehungen bestehen zu Bill Smithback, Nora Kelly, Margo Green und anderen.

Frauen:

Sherlock Holmes macht sich nicht viel aus dem weiblichen Geschlecht. Nur Irene Adler, die in einer Geschichte auftaucht, schafft es, ihn zu beeindrucken. Es gibt keine Hinweise auf eine Romanze; manche Frauen, denen er bei der Lösung seiner Fälle begegnet, zollt er Respekt.

Ähnlich verhält es sich mit Pendergast: Obwohl stets charmanter Gentleman, schafft nur Lady Maskalene, ihn zu bezaubern. Allerdings ist sie auch würdig.

Interessen und Fähigkeiten:

Beide sind höchst intelligent. Aus kleinsten Details können sie erstaunliches herauslesen. Wache Sinne, ausgezeichnetes Seh- und Hörvermögen und katzengleiche Geschmeidigkeit zeichnet beide aus. Schlaf benötigen sie offenbar nicht, wenn der Fall heiß ist.

Holmes interessiert sich für alles, was mit seinen Kriminalfällen zusammenhängt: Chemie, Politik (er hat oft berühmte/bekannte  Klienten), Botanik, Anatomie, Kryptoanalyse und Kriminalistik (für damalige Verhältnisse jedenfalls). Er liest gern in der Klatschpresse, besonders die „Seufzerspalten“ und kennt jeden erdenklichen Skandal genau. Er spielt ausgezeichnet Violine. Außerdem ist Holmes ein ausgezeichneter Nahkämpfer, er kann sich ausgezeichnet verteidigen, mit Stock oder bloßen Fäusten. Den Revolver nutzt er eher selten.

Am bekanntesten ist wohl seine unnachahmliche Art, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Pendergast hat eine klassische Ausbildung genossen, beherrscht Latein, kennt auch obskure Literatur, ist Renaissancemensch. Es gibt scheinbar nichts, was er nicht weiß (oder sich anlesen kann). Nur gegen Oper hat er etwas, das ist seiner Meinung nach „eine Soap-Opera, billig und vulgär, für die Massen“. Kein Schloss ist vor ihm sicher, in wenigen Sekunden hat es sich ergeben.  Weiterhin beherrscht er gewisse Meditationstechniken, die ihm bei manchen Fällen sehr geholfen haben. Unter anderem verarztet er sich auch mal selber, und verweilt nie lange im Krankenhaus.

Beiden gemein ist noch die Fähigkeit, sehr schnell zu lernen und sich bis zur Unkenntlichkeit zu verkleiden. Es wäre wohl sehr schlecht für die Welt, würden sie ihr Genie als Kriminelle nutzen.

Charakter:

Um es kurz zu machen: Nach außen hin verschlossen, schlägt unter den eisigen Schalen je ein großes Herz, dass alles für Nahestehende tut.

Zitat von Dr. Watson, als er niedergeschossen wurde: „Das war die Wunde wert; es war viele Wunden wert, die Tiefe der Loyalität und Liebe zu erkennen, die hinter der kalten Maske lag. Die klaren harten Augen verdüsterten sich für einen Moment, und die zusammengepressten Lippen zitterten. Für dieses eine, einzige Mal konnte ich einen Blick auf ein großes Herz erhaschen, neben dem großartigen Hirn. All die Jahre bescheidenen, aber zielstrebigen Dienstes gipfelten in diesem Moment der Offenbarung.“ Übersetzung von mir.

Auch Pendergast zeigt selten, was er für z.B. D’Agosta empfindet, doch wenn, ist es umso eindringlicher. Vor allem, da D’Agosta die Loyalität in Person ist.

Dunkle Seiten:

Holmes raucht beständig und konsumiert auch Kokain und Opium, doch das war im viktorianischen Zeitalter durchaus normal. Außerdem verfällt er in Schwermut, wenn er nichts zu tun hat, dann spielt er stundenlang Violine, raucht und isst nichts.

Nichts fürchtet Pendergast so sehr wie seinem Bruder ähnlich zu werden und dem Wahn anheimzufallen. Doch, glücklicherweise, bis auf ein Zwischenspiel bleibt er sich treu, bis zur Erschöpfung.

Abschließende interessante Details:

Pendergast lebte in einem Kloster in Tibet, dessen Mönche ihm unter anderem diese besonderen Meditationstechniken beibrachten. Sein Mündel Constance umgibt ein ganz besonderes Geheimnis.

Fazit:

Wir sehen, es existieren überraschende Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede. Ich mag jedenfalls beide Charaktere und würde zu gern mit ihnen dinieren. Gleichzeitig. Es gäbe ein höchst interessantes Gespräch.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sherlock_Holmes

http://en.wikipedia.org/wiki/Aloysius_Pendergast

http://www.hachettebookgroup.com/features/agentpendergast/index.html#utm_source=agentpendergast.com&utm_medium=redirect&utm_campaign=print

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