Rezension „The House“ von Katie Melua

Ich habe meinem Freund das neue Album von Katie Melua, „The House“, geschenkt. Er hat es mir geliehen, am Wochenende haben wir es zweimal gehört. Nun ist Nummer drei dran, dabei wird rezensiert. Soviel vorab: Ich mag Katie Melua, ihre Stimme und ihren Stil. Dieses Album stellt eine Abkehr von ihrem blusigen Stil dar.

1. I’d Love To Kill You

Beginnt unvermittelt mit dem Gesang. Schlicht und schön – Gitarre und Streicher im Hintergrund. Katies Stimme ist das Wichtige. Sie singt in ihrer typischen Weise, was wundervoll zum Song passt. Ein schöner Auftakttitel.

2. The Flood

Die Single. Markanter Anfang, schöner Rhythmus, trotzdem eingängig. Eleganter Gesang von Katie, mit eingestreuten Hauchern. Großartiger, hymnischer Refrain – und gleich wieder Rückkehr zum Text. Klingt fast ein bisschen orientalisch, was die Streicher betrifft. Mittendrin dann ein kompletter Wechsel, ein Song im Song, der wieder in den Refrain übergeht. Sehr schön!

3. A Happy Place

Hier fällt auf, dass sich dieses Album von den Vorgängern unterscheidet: Elektronischer, teilweise schneller und einfach… cooler. Liegt wahrscheinlich am Produzenten William Orbit. Das ganze Album wirkt experimentierfreudiger.

Nun zum Song: Wieder markanter Rhythmus (ähnelt der #2), aber zuckersüßer Refrain. Das ganze bildet einen hübschen Kontrast.

4. A Moment Of Madness

Göttlich. Könnte glatt auch von Nick Cave sein. Hat einen antiken Hauch, durch die Klavierbegleitung. Außerdem singt sie das „madness“ im Refrain so schön langgezogen. Jup, Katie Melua (wenn sie’s denn war) schreibt auch wunderbare Texte.

5. Red Balloons

Eine schöne Ballade. Wunderbar trauriger, bildlicher Text. Das ist einer der Songs, die man als „typisch“ für Katie Melua bezeichnen könnte. Vielleicht etwas zu langsam, aber sonst toll. Ist das ein Walzertakt? So kommt es mir jedenfalls zu Beginn des Refrains so vor… Übrigens zieren auch Booklet (mit Texten, großes Plus!) und die CD-Hülle rote Ballons.

6. Tiny Alien

Mir gehen langsam die Adjektive aus… Beginnt ein bisschen wie ein Kinderlied, wenn man auf die Zeile „Who are you my tiny alien?“ achtet, die hat eine jambische Betonung (korrigiert mich, wenn ich falsch liege). Mein Freund findet das Lied süß. Ich gehe mit der Bezeichnung nicht ganz mit. Auf jeden Fall ist es schön, dass im Hintergrund „Computerklänge“ zu hören sind, wie von Konsolen, die leuchten und gleichzeitig Töne von sich geben. Am Ende singt Katie sich eine Stimmlage, die fast zu hoch ist, um natürlich zu sein… Ist es aber, meine ich. Das tat sie schon zuvor, nur nicht ganz so hoch.

7. No Fear Of Heights

Ein feiner Text – das lyrische Ich kann durch die Liebe seine Ängste überwinden. Katies hier tiefere Stimmlage passt sehr gut zu dem Lied. Auch das eher schlichtere Arrangement fügt sich da nahtlos ein.

8. The One I Love Is Gone

Ein Coversong. Hätte aber auch von ihr oder für sie geschrieben worden sein. Einer der schwächeren Songs, denn hier fehlt das markante etwas, dass die vorherigen Titel auszeichnete.

9. Plague Of Love

Ganz großes Kino. Einer meine Lieblingstitel des Albums. Der Anfang erinnert mich an die Eurythmics, dann aber stürmt Begeisterung hinsichtlich des Refrains auf mich ein: Eingängig, nicht zu üppig instrumentiert. Dann wieder der basslastige Text. Bloß, warum bitte „plague“? Die Liebe ist doch keine Pest… Nichtsdestotrotz, großartiger Titel. Hat am Ende was 80er Jahre-mäßiges. Geht sofort ins Ohr und weigert sich, herauszukommen. Wird immer größer am Ende (das liebe ich ja). Toll. Toll. Toll!

10. God On The Drums, Devil On The Bass

Und weiter geht es mit Lieblingen: Klasse. Katie Melua, wie man sie bestimmt nicht vermutet. Ein verqueres Stück, mit klasse Text. Sie singt tief, immer schwankend zwischen kühl im Refrain und innig im Text. Der Song ist auch passend untermalt – mit Bass und Schlagzeug. Auch dies ein Titel, den locker jemand anders singen könnte – meine Kandidaten sind die Sänger von den Editors und den White Lies. Oder jeder andere mit tiefem Bariton. Klasse.

11. Twisted

Wieder 80er-Jahre-Charme. Diesmal mit mehrstimmigem Refrain. Hier hört man wieder elektronischere Elemente heraus. Katies klarer Gesang passt gut dazu. Überhaupt: Man versteht sie ja immer sehr gut. Vergleich das mal mit Lily Allen… Irgendwie hat der Text zweideutige Anspielungen, oder? „Like the roots of a tree you got into me“ – hmmmm…

12. The House

Der Titelgeber des Albums und der letzte Song. Sehr ruhig, fast hypnotisiert beginnt er. Auch wieder ein für sie typischer Titel, bis zum elfenhaften Refrain. Könnte auch auf einem Soundtrack sein. Oder im Eurovision Song Contest laufen (und gewinnen!). Ein schöner Abschluss des Albums.

Fazit: Ein gelungenes Album, das eine andere Seite an Katie Melua zeigt. Es gibt nur wenige schwache Titel, die durch großartige Songs wieder ausgeglichen werden. Wer allerdings den Blues in Katie Melua mochte, könnte enttäuscht werden.

Note: 1-

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