Zwischenfazit

Bald hat das Vagabundenleben ein (vorläufiges) Ende. Mein Praxissemester neigt sich demselben zu; es ist Zeit für ein kleines Fazit.

Was werde ich aus dem halben Jahr mitnehmen? Zunächst war es großartig, keine Fernbeziehung mehr zu führen. Andererseits haben mir Andi, Tami, Tini, Tobi, Yuli, Franziska, Kerstin, Esther, Lisa und und und wahnsinnig gefehlt. Anfangs musste ich mich richtig an die neue Stadt gewöhnen. Und bis heute habe ich das Straßenbahnnetz nicht kapiert.

Auch die Abwesenheit von L. habe ich fast körperlich gespürt. Dämlich, aber wahr. Als ich nach der Frankfurter Buchmesse mit dem ICE in L. ankam, habe ich beim Anblick des vertrauten Gebäudes und dem Gedanken an all meine Lieben geheult. Okay, meine Eltern haben mich mal eben so abgeholt, das tat noch seins dazu. Trotzdem habe ich so vieles an L. vermisst, das konnte nur durch die Ostsee ausgeglichen werden. Aber gerade so! Gerade so!

Weiterhin ist mir klar geworden, dass ich mich nicht falsch entschieden habe, weder was das Studium noch das Praktikum angeht, ganz im Gegenteil. Ich brenne darauf, in die Praxis zu gehen. Wenn das zukünftige Team auch nur halb so nett ist wie das jetzige, wird mein Arbeitsleben einfach nur spitze.

Außerdem habe ich bei meinem Gasthörertum eines, nein zwei Dinge gelernt: Erstens sollte man nie zu stolz sein, Hilfe anzunehmen. Und zweitens sind Archäologen ein ganz eigentümliches Völkchen😉 Auch diese drei Veranstaltungen waren bereichernd. Ich glaube, das Gasthörer-Dasein mach ich jetzt, bis ich nicht mehr laufen oder denken kann. Und wenn es ein Volkshochschulkurs ist. Schnuppe. Zur Not, wenn’s mit dem Job erstmal nicht klappt, schreib ich mich noch mal für was richtig Spannendes ein. Linguistik klingt aufregend. Weiterbilden, bilden überhaupt, kann man sich nie genug. Auch nicht, wenn man als „allwissend“ angesehen wird (auch wenn es natürlich nicht stimmt). Naja, und weil man seinen Ruf zementieren kann…

Allerdings wird mir in R. auch so manches fehlen. Das schöne Altbaubüro mit den netten Kollegen rundrum. Gabi, Ersatzmutti, Motivatorin, Plaudergesellin und Kumpel in einem. Die beiden Lektoren (ach, Mensch, nur das Beste! Und immer ein Herzensprojekt, das es schafft! Und massig gute Rezensionen! Und Gesundheit! Und nette Autoren!), die Sekretärin (eine Seele von Mensch, wirklich!), die Chefin (Gesundheit! Erfolg! Nur noch Verkaufsschlager!) der Hausmeister (immer an die Aufbettung denken…), die Kollegen von der Technik (öhm, mein Mac spinnt grad?! Huch, du steuerst ja meine Maus… Ach, daran lag’s? Ja, wenn ich DAS gewusst hätte…), die Herstellungsleiterin (danke für das nachträgliche Geschenk, war nicht schlimm, dass du’s nicht gewusst hast, ehrlich!), K., die liebe Kaffee-Trinker-Geherin und T-Shirt-Mitbestellerin und Plaudergesellin, ach alle, mensch. Ihr werdet mir wirklich fehlen.

Auf dem Weg zur Arbeit die Leute, die man schon vom Sehen kennt: Der ältere Herr, der Frauen ganz gentleman-like grundsätzlich vor sich einsteigen lässt; die verdammt tätowierte Rocker-Mum, die ihren Kleinen immer in den Kindergarten oder zur Grundschule bringt und ihm neulich erklärte, dass Handys vor nicht allzu langer Zeit riesig waren (was er nicht glauben wollte); der geschniegelte Geschäftsmann im Trenchcoat, der immer an der Tür steht und trotz fülligem Gesicht grimmig guckt und natürlich der Englisch sprechende Papa, der mit seiner Kleinen auf dem Dreirad kommt und auch ihr die Welt erklärt. Ja, das hebt die Stimmung am frühen Morgen.

Die Busfahrer, die losfahren, kaum das meine Bahn hält, werde ich definitiv nicht vermissen.

Und ja, auf Dauer reicht ein Zimmer für Zwei nicht. Aber für’n halbes Jahr passt das.

 

Nun steht die Bachelorarbeit an, und dann? Das große Unbekannte. Zum Glück weiß ich schon, was ich möchte. Dann muss nur noch jemand mich wollen, und voilá!

Das werden arbeitsreiche Wochen, dann. Ich habe mir viel vorgenommen für meine Arbeit, das schreit nach Disziplin, was im geliebten L. schwer sein wird. Also werde ich wieder meine Persönlichkeit formen, wie ich das immer tue und tun werde. Und lernen.

… und lesen nicht zu vergessen!

 

Musik: Soundtrack zum PC-Spiel „The Witcher“

 

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