Zug, Auszug, Frühling

Man sollte doch öfter mal ICE fahren. Als mein Freund und ich Karfreitag früh mit dem ICE von R. nach W. fuhren (um dann, in W., in eine RB nach D. zu steigen – was anderes fährt da ja nicht hin!), saß im letzten Drittel der Fahrt noch jemand uns gegenüber. Er (ich habe seinen Namen leider nicht mitbekommen – Mistverdammter) kam aus Chicago, wo er Medizin studiert. Sein Vaterland ist allerdings Russland. ER war auf dem Weg zu seinem Bruder, auch Arzt (!!!), der nahe der Grenze praktiziert. Nach dem „Nice to meet you“ verplauderten wir angenehm eine Dreiviertelstunde über uns, deutsche und amerikanische Städte („I’ve been to Los Angeles, there are no high buildings. You feel like in a big village.“ – „Have you ever been to Frankfurt? You know, there are skyscrapers…“ – “Yes, I really liked the city.”), Flugticketpreise in Deutschland, Amerika und Russland, Verkupplungsversuche von Eltern (seinen nämlich) und Medizinstudien in Amerika und Deutschland im Vergleich. Wie immer ging die Zeit viel zu schnell herum. Mein Englisch auf diese Art zu üben ist mir definitiv die liebste. Klar konnte er ein paar Worte Deutsch, aber Englisch ging es halt flotter mit der Konversation. Ich hatte auch mal ein Gespräch mit einem Australier auf Europa-Tour im ICE von Hamburg nach Berlin, der in der Lüneburger Heide angesichts der Windräder in ein entzücktes „Whoa, looks like home!“ ausbrach😉

Das Wetter derzeit ist doch ein Traum, oder? Ich liebe diese Phase des Frühlings. Die Blätter sind noch hellgrün, alles blüht, Vögel zwitschern. Man kann in der Sonne sitzen (und stricken, hehe), ohne einen Sonnenstich befürchten zu müssen. Wäsche trocknet praktisch beim Aufhängen. Es ist noch nicht brütend warm, aber warm genug für Eis in großen Mengen. Überhaupt, Eis. Das kann ich ja zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit verputzen. Jedes Jahr stelle ich mir die Aufgabe, nach Möglichkeit keine Sorte zweimal zu essen. Bis jetzt läuft es gut. Auch wenn mal ein kühler Tag dazwischen ist, das Grün rettet auch einen grauen Frühlingstag.

So, nun ist’s genug mit der Tätigkeit als Studentische Aushilfe. Der Abschied war nicht so tränenreich wie gedacht – ich hab mich zusammengerissen. Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits war es gegen Ende ein bisschen nervig, immer vier Stunden Zug zu fahren (spät abends, Ankunft erst halb zwölf); andererseits, es hat einfach Spaß gemacht. Hätte nie gedacht, mal nicht Student sondern Arbeitnehmer sein zu wollen.

Jetzt lagert nur noch ein wenig Kram bei meinem Freund. Somit bin ich ausgezogen. Schade, dass wir jetzt wieder eine Fernbeziehung führen. Zusammenzuwohnen war toll. Aber es ist ja nicht die Welt, und aufgrund meines luxuriösen Stundenplans kann ich, wenn die BA-Arbeit durch ist (ahaha), immer mal wieder für ein verlängertes Wochenende runterfahren.

Apropos Bachelorarbeit. Sie schleppt. Ich muss auch die Bearbeitungszeit verlängern, weil ich in meiner Arbeitszeit keine Zeit hatte… Zum Glück haben sich die Bedingungen für den Master vereinfacht. Trotzdem ist es gerade ungewiss – das stört mich. Das Gefühl, im Sommer vielleicht in der Luft zu hängen, ist fast unerträglich. Aber ich bin dran. Ich bin dran. Ich muss dran bleiben.

Am Samstag sind wir die Landeshauptstadt (seine, nicht meine) besichtigen gefahren. Aus dem Zug, den wir nehmen wollten, stiegen eine Menge Fußballfans aus – Heimspiel des FC, alles klar. Um elf – mit Bierflaschen in der Hand. Und jede Menge Polizei im Hauptbahnhof – alle zwanzig Meter ein Grüppchen von fünf bis sechs schwer gepanzerten Polizisten. Krass. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher. Der Zug roch dann nach Brauerei, und der Flaschensammler hat bestimmt ein Vermögen gemacht. Aber es war wahnsinnig schön in der Landeshauptstadt. Ich kann jetzt leider nicht ins Detail gehen, das ginge zuwider meiner Geheimhaltungstaktik – außerdem wollt ihr sicherlich keine dreißig Seiten Altbaubeschreibung lesen😉 Nur windig war es, und wie! Und nachdem wir wieder daheim waren (gegen sieben) – stiegen dieselben FC-Fans wieder in den Zug ein, aus dem wir ausstiegen… Strange things happen. Dann gab es noch lecker Maibowle zum Ausklang, ich wäre aber trotzdem noch vor Wetten, dass eingeschlafen…

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