[Gastbeitrag] Warum Professor F. Unrecht hat

Das hier ist eine virtuelle Replik meines Freundes auf einen seiner Dozenten. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten😉

Mein Professor für alte Geschichte, Herr F., hat die Angewohnheit sich zu Anfang seiner Vorlesung immer mal wieder, zu aktuellen Politischen oder Gesellschaftlichen Problemen zu äußern. Vor zwei Wochen zum Beispiel berichtete er uns, dass er den Tod von Osama bin Laden, mit einer Gläschen Champagner gefeiert hätte. Diese Woche ließ er sich darüber aus, warum sich die Presse darüber beschwere, dass Frau Merkel sich, ebenso wie er, über den Tod jenes Menschen gefreut hat und das öffentlich kund tat. In seiner 15 Minuten einnehmenden Erklärung, beschrieb er sehr ausführlich, warum ein Historiker sich nicht an „Political Correctness“ zu halten hat. Vor allem Jürgen Habermas war für ihn der große Übeltäter, der die „P.C.“, wie Herr F. es nennt,  in die Geschichtswissenschaft brachte.  Schlussendlich stellte Herr F. fest, dass sich ein Wissenschaftler für seine Forschungsergebnisse nicht moralisch rechtfertigen solle. Auch die Presse, die immer nach skandalisierungsfähigen Thesen suche, sei für ihn ein Graus.

Seinen Standpunkt halte ich für Problematisch: 1. Liefert er nur eine Begründung dafür, dass „P.C“ in der Wissenschaft nichts verloren hätte. Ich frage mich wozu „Political Correctness“ da ist, wenn nicht für die Politik? 2. Hat meines Erachtens, ein Wissenschaftler sehr wohl eine ethisch-moralische Verpflichtung der Gesellschaft und seinen Theorien gegenüber. Damit meine ich nicht, dass er seine Thesen in irgendeiner Weise zensieren solle, ich meine nur, dass jeder Mensch der sich irgendwie in einem öffentlichen Raum bewegt, sehr überlegt mit seinen Äußerungen umgehen sollte. Falsch verstanden zu werden und danach zu behaupten, so hätte man das doch nicht gemeint, ist leicht. Richtiger ist es doch wohl, die mögliche Kritik oder Missbrauchsfähigkeit der eigenen Theorien vorher mitzubedenken. Hätte Nietzsche sich klarer ausgedrückt, hätten die Nazis seine Theorien nicht missbrauchen können. Dieser Philosoph mag kein Faschist gewesen sein, aber es ist leicht  seine Theorien in diesem Sinne zu verstehen. Genauso steht es mit den Theorien anderer Wissenschaftler. Wenn ein Historiker beispielsweise behaupten würde, der Nationalsozialismus sei nicht das schlimmste gewesen, dass in Deutschland je passiert. Dann mag das faktisch vielleicht richtig sein (Im 30 Jährigen Krieg starben mehr Menschen), trotzdem kann so eine Aussage folgen haben und falsche Signale senden, die einerseits die Reputation jenes Wissenschaftlers schädigen können, andererseits den falschen Parteien stichhaltige Argumente liefern.

Es ist leicht zu fordern, das Wissenschaft nichts mit Politik zu tun haben sollte. Aber in einer Demokratie hat jedermann, auch ein Wissenschaftler mit Politik zu tun. Außerdem muss sich auch der unabhängige Wissenschaftler an Gesellschaftlicher Werte und Normen halten. Was passiert, wenn sich die Wissenschaft über die Ethik hinwegsetzt, hat die Medizin im Nationalsozialismus gezeigt. Rein methodisch ging auch ein Dr. Mengele wissenschaftlich vor, trotzdem gilt sein Verhalten heute als falsch.

Oft macht auch nur die Formulierung den Unterschied zwischen einer moralisch akzeptablen und einer gefährlichen Theorie aus. Im Dezember letzten Jahres gab es in Deutschland die Diskussion, welche Kulturen und Religionen Deutschland geprägt hätten. Herr F. äußerte sich auch hierzu. Lang und breit stellte er rhetorische Fragen in den Hörsaal, wie: „Wer hat die Demokratie erfunden? Waren das die Juden oder waren das die Griechen und Römer? Fragen sie sich selbst? Wer  prägte unser Rechtssystem waren das die Juden, oder waren das die Griechen und Römer?“ Er brachte noch zahlreiche weitere Beispiele, die für alle Studenten den Schluss nahe legen mussten, dass die Juden nichts mit der Deutschen Kultur zu tun haben.

Vielleicht mag Herr F. damit auch Inhaltlich recht haben, trotzdem ist diese denunziatorische Formulierung sehr zweifelhaft. Im Wikipediaeintrag über Herrn F. kann man nachlesen, dass ihm auch schon Rechtsradikale zu seinen Reden zujubelten. Nach dieser Rede, wunderte mich das nicht. Hätte er es weniger reißerisch (Er wirft der Presse vor zu reißerisch zu sein) formuliert, könnten seine Worte auch nicht so missbraucht werden. Oder aber Herr F. möchte nur provozieren und legt es gezielt auf Kontroversität an? Sozusagen als Advocatus Diaboli?

Nein, wer diesen Mann reden hört weiß, dass er jedes Wort genauso meint, wie er es sagt. Was Herr F. übrigens bei der Sache mit den Juden nicht bedacht hat: Auch 6 Millionen Tote, können eine Kultur prägen!

Zum Ende möchte ich noch zum Ausgangsproblem, der Freude Frau Merkels über den Tot von bin Laden zurückkehren. Auch ihr Verhalten finde ich im Gegensatz zu Herrn F. falsch. Aus zweierlei Gründen. Einerseits find ich es politisch dumm, sich öffentlich über den Tod eines Terrorführers zu freuen. Das fordert eine Gegenreaktion doch geradezu heraus. Auge um Auge…

Zum  zweiten finde ich es moralisch falsch, den Tod eines Menschen zu feiern, egal wie schlecht und wie Böse er war. Hält man sich an Kants, Kategorischen Imperativ, dann ist töten schlecht. Immer. Die Eigenschaften des Opfers spielt da keine Rolle. Mag sein, dass es nach utilitaristischen Gegebenheiten sinnvoll ist, einen Menschen wie bin Laden in einer Nacht und Nebelaktion zu ermorden, erfreulich ist es keinesfalls. Zumal die Freude Frau Merkels auch deshalb unverständlich ist, wenn man bedenkt wie dumm, die Amerikaner vorgegangen waren. Aus Obamas Sicht  ist die Aktion ja noch verständlich, er wollte sich damit die Wiederwahl sichern, auch wenn es beweist, dass er keinen Deut besser ist als Bush. Wie schön wäre es doch gewesen, hätten sie ihn festgenommen und vor ein Gericht gestellt. Noch besser wäre es dann gewesen, Osama wäre nicht in den USA oder Guantanamo gelandet, sondern vor ein UN-Tribunal oder den Weltstrafgerichtshof in Den Haag gekommen. Was hätte das für ein Signal gesendet. Auch in die Arabische Welt. Das Opfer schwingt sich nicht zum Richter über den Täter auf, sondern liefert ihn an ein unabhängiges Organ aus, dass ihn nach rechtsstaatlichen (eher rechtsweltlichen) Maßstäben verurteilt. Welch ein Zeichen der Gerechtigkeit und Versöhnung für die Welt, statt dessen: Auge um Auge, Zahn um Zahn.  2000 Jahre Fortschritt und keinen Schritt weiter…

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