Kopenhagen

Mein diesjähriger Urlaub bestand aus drei Tage in Kopenhagen. Alle, die keine Lust haben, sich diesen irrsinnig langen Post anzutun, hier die Zeit in vier Worten: wunderschön, anstrengend, wechselhaft, teuer.

Alle anderen bekommen also die Langversion. Und keine Fotos.

Es ging am Donnerstag, dem 15.6. (schon eine Woche her!) los. Das heißt also, wir standen um 4:30 Uhr auf, um die erste Fähre zu bekommen. Die geht um 6:00 Uhr vom Rostocker Seehafen ab, und wir mussten zwecks Einchecken und so eine halbe Stunde vorher da sein. Der Busfahrer, der uns vom Scandlines-Terminal zur Fähre fuhr, gab dann noch per Funk Bescheid, dass er zwei Fußgänger dahabe. Wir waren wirklich die einzigen Menschen mit Koffern im Schlepptau…

Nach zwei Stunden im Regen kamen wir Gedser an – das erste Mal dänischen Boden. Mit dem Bus ging es dann nach Nykøbing, der nächst größeren Stadt. Die Landschaft sah ungefähr so aus wie an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, aber die Häuser waren teilweise sehr klein, was wir beide niedlich fanden. In Nykøbing stiegen wir in einen dänischen Regional-Express. Zu unserer Überraschung waren das zwei aneinander gekoppelte ICEs. Das sollten die mal hier machen – einen ICE statt der Regionalbahn auf meiner Freitag-Nachmittags-Sonntag-Nachmittags-Strecke einsetzen😉

Gegen zwölf dann endlich: Angekommen. Zum Glück war das Hotel nicht weit vom Bahnhof weg, nach fünf Minuten Fußweg waren da, konnten aber noch nicht einchecken. Die Zimmer dauerten noch. Ich holte mir einen Ratschlag fürs Mittagessen, und wir zogen (ohne die im Foyer abgestellten Koffer) los, zum Tivoli. Am Tivoli lag nämlich das empfohlene asiatische Restaurant. Der Tivoli ist übrigens genau gegenüber dem Bahnhof – noch näher als in Köln der Dom… Besagtes Restaurant (Wagamama) war jedenfalls ziemlich gut. Wir wurden, wie das in DK offenbar Standard ist, platziert. Marketingtechnisch clever am Fenster. Aber schon da fiel uns auf, dass Kopenhagen ein teures Pflaster ist… Mehr dazu später.

Nach dem Essen tasteten wir uns in die Innenstadt vor und landeten in Christiansborg. Was für ein Traum von Schloss! Ich war besonders vom Thronsaal und der Bibliothek angetan… Drinnen waren Fotos leider verboten, also musste ich mir den Anblick einprägen. Ich hatte in der Bibliothek nahezu Tränen in den Augen und Gänsehaut. Ich glaube, das war meinem Schatz ein bisschen peinlich…

Von da aus liefen wir zurück, schließlich war die Zeit für’s Einchecken ran. Das Zimmer. Ja… Es war sehr sauber und modern eingerichtet (mit Flatscreen – wer braucht das?), nur etwas klein. Es war so breit wie das Bett, das quer unterm Fenster stand, dazu war noch eine Nasszelle mit runder Dusche drin – ich schätze, es waren maximal 10 qm. Aber egal: Wir wollten da ja keine Feste feiern, sondern drin schlafen. Und trotz Hörweite des Bahnhofs ging das echt gut. Aber bei unserem Kilometerstand kein Wunder😉 Nach einer Verschnaufpause deckten wir uns noch die Straße runter in einem Einkaufszentrum mit Abendessen ein. Dann war Nachtruhe…

Tag 2: Erstmal frühstücken, dann die Strøget, die riesige Einkaufsmeile Kopenhagens, unsicher machen. Die Strøget sehr gut gefallen – die Geschäfte waren nicht nur internationales Gemenge (H&M und Co., weißte Bescheid). Außerdem besteht sie aus mehreren Straßen und ist über einen Kilometer lang! Zuerst erstmal Postkarten und Souvenirs kaufen (die meisten Läden waren noch zu), dann verliefen wir uns etwas und landeten am Kongens Nytorv, einem runden Platz. Aber da man von da aus wunderbar nach Nyhavn kommt und in Nyhavn Bootstouren starten, machten wir aus der Not eine Tugend und gönnten uns eine einstündige Bootstour. Unser Guide war eine (wie die meisten Dänen, soweit ich das beurteilen konnte) bildhübsche Dame, etwa in unserem Alter, die die Fakten und Geschichten auf Dänisch, Englisch (das sprechen übrigens nahezu alle da perfekt) und rasantem Italienisch zum Besten gab. Leider pfiff der Wind ziemlich stark auf dem offenen Wasser. Die Brücken, unter denen wir durch fuhren, waren teilweise wirklich niedrig, so dass unser Guide folgenden Satz am häufigsten sagte: „The next bridge is very low, so please remain in your seat and watch your head.“ Aber es war wirklich schön, die Stadt von der Wasserseite zu sehen. Das galt auch für die Kleine Meerjungfrau. Ich wurde ja vorgewarnt, dass sie wirklich klein ist – es stimmt. Aber sie hat einen schönen Rücken😉

Nach einer Stunde Relaxen im Boot liefen wir nach Amalienborg, dem gegenwärtigen Sitz der Königin. Sie war auch da – die Fahne war aufgezogen. Und wir waren genau richtig zur Wachablösung. Nur wurde uns das Ritual nach einer halben Stunde zu langweilig… Da gingen wir lieber zur Marmorkirche, die die größte Kuppel Skandinaviens besitzt. Wahnsinn!

Da wir noch nicht genug Schloss gesehen hatten, ging es nach Rosenborg. Da regnete es wirklich übel, aber im Park tobten süße Kinder herum und störten sich nicht dran…. In Rosenborg gab es unter anderem Kronen und die Kronjuwelen zu sehen – und ein wundervolles, mich erneut (Nr. 1 war die Bibliothek…) sprachlos machendes Smaragd-Ensemble aus Collier, Ohrgeschmeide, Anstecker und Diadem. Das hätte ich sofort mitgenommen, mein Freund meinte auch, dass es mir wohl exzellent stehen würde… Hach.

Da wir zu fußlahm waren, fuhren wir mit der Metro zurück.

Nach einer Verschnaufpause ging es zur Erlöserkirche, deren Turm mit außenliegender Wendeltreppe wir erklimmen wollten – aber der war schon geschlossen. Weiter ging es dann zum Pommes essen in einem Diner, Verdauen im Garten der Glyptothek und Heimkehr. Im dänischen Fernsehen gab’s dann noch eine unsynchronisierte, aber untertitelte Folge von Navy CIS zu sehen, die aus der aktuellen Staffel war, aber im deutschen Fernsehen noch nicht gesendet wurde – yeah, Informationsvorsprung😉

Am letzten Tag schliefen wir ein bisschen aus und brachten dann die Koffer ins Schließfach. Wenn ihr das auch mal machen müsst: Man merkt, dass die Toiletten über dem Schließfachbereich sind. Ja, es riecht. Wie Dixiklo. Brrr. Vor allem, weil es sonst wirklich ordentlich in Kopenhagen ist.

Wie hatten noch den Rondetårn auf unserer Liste. Vorher enterte ich noch „Sosterne Grenes“- eine Mischung aus Ikea-Deko-Abteilung und Butlers, nur in großartig. Der Laden war von außen ziemlich unscheinbar, zog sich aber über gefühlt fünf Hinterhäuser. Beute: Sandelholzseife und ein kleines Portemonnaie. Ich hätte aber viel, viel mehr kaufen können.

Der Runde Turm besteht im Inneren aus einer Rampe, die man bis fast ganz oben ersteigt – erst kurz vor Schluss gibt es eine Treppe. Der Blick über Kopenhagen war fantastisch, trotz des bewölkten Wetters konnten wir bis zur Öresundbrücke und nach Malmö sehen. Nicht weit davon ist der Botanische Garten. Wir mussten inzwischen schon sparen und auf kostenlose Alternativ-Sehenswürdigkeiten ausweichen. War aber nicht schlimm, denn der Botanische Garten war toll, besonders die Entenküken😉

Zuletzt, um noch anderthalb Stunden herumzukriegen, gingen wir ins Dänische Nationalmuseum. Auch kostenlos – und wir schafften leider, leider, leider nur die erste Etage, ehe wir losmussten. Ein wunderbares Museum (wir haben den Sonnenwagen gesehen! Ein Gefühl wie Nofrete), didaktisch wunderbar, informativ, toll gemacht. Und kostenlos😉 Wenn wir noch mal nach Kopenhagen fahren, verbringen wir da einen Tag drin. Versprochen.

Dann hieß es Abschied nehmen. Mit Zug ging es den umgekehrten Weg, relativ unspektakulär diesmal. Nur dass ich beim Stricken von einem Mädchen ob des bunten Schals auf den Nadeln bewundert wurde und wir kurz ins Fachsimpeln kamen. Thanks, girl from Lundby!

Dann, am Seehafen in Rostock. Wir dachten ja, da fährt um 21:00 Uhr noch ein Bus ab, der uns irgendwohin bringt, von wo wir in die Tram oder so umsteigen können. Ha-haaaaa. Nein. Letztlich landeten wir mit einer Halbschwedin, die in Rostock studiert, und einer Schwedin, die in Rostock wohnt, im Taxi. Die beiden waren mit der Fähre von Trelleborg gekommen. Der Taxifahrer war etwas planlos. Es kam, wie es kommen musste: 22:45 war alles vorbei – für eine Strecke von Luftlinie zehn Kilometer fast zwei Stunden… Danach fielen wir ins Bett.

Ein paar Worte zum Thema Geld in Dänemark, also genauer zum Thema Geld ausgeben: Es ist bezeichnend, dass überall da, wo in Deutschland ein oder zwei Euro reinkommen (Spinde, Schließfächer) in Dänemark ein Zwanzig-Kronen-Stück rein muss😉 Eintritt überall generell zehn Euro. Vor allem Essen war teuer. Zum Glück gab es im 7eleven im Bahnhof 3 „lekker snäggle“ für 20 Kronen. Mann, waren die köstlich…

Das Wetter war sehr April-mäßig. Es war wechselhaft, regnerisch, und eher kühl. Aber besser, als bei dreißig Grad im Schatten durch die Innenstadt zu kriechen.

Fazit: Wunderschön, anstrengend, wechselhaft, teuer.

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