The King & I

Lasst mich ein paar Worte über meine Beziehung zum King verlieren. Nun, ich meine nicht Elvis Presley, sondern Stephen King. Wer jetzt entnervt die Augen verdrehen sollte, den bitte ich, trotzdem weiter zu lesen. Es wird die Geschichte einer Liebe – und Liebesgeschichten mögen doch alle, oder?

Es begann mit der Horror-Abteilung der (inzwischen geschlossenen) Stadtteilbibliothek. In den Sommerferien war ich dort alle 2 Wochen anzutreffen, geisterte durch die Räume des Flachdachbaus und pickte Bücher heraus wie… nun ja, ein Huhn Körner. Irgendwann fiel mir ein dicker Wälzer mit interessantem Titel in die Hände: „999 – Geschichten des Grauens“, den ich mir übrigens später gekauft habe, weil ich das Buch mindestens dreimal geliehen hatte… Jedenfalls war darin eine Kurzgeschichte von SK, „Der Straßenvirus zieht nach Norden“. Damit war ich infiziert. Eine Offenbarung würde ich es nicht nennen, aber doch eine Ansteckung. Und obwohl ich eher zart besaitet war und bin, was ekelige Darstellungen angeht (auch wenn SK mit der Zeit abhärtet, vor allem was auslaufende Augen betrifft), biss ich mich fest. Ich habe fast alles gelesen, was unter seinem Namen erschienen ist, und ein oder zwei der Pseudonym-Titel. Es ist nicht alles super, und manches ist echt schlecht („Friedhof der Kuscheltiere“ – bis auf die letzte Seite, die ist krass), aber manches, manches liebe ich. So sehr, dass ich ihm, wenn ich ihn je sehen sollte, die stinkenden, schwitzigen Altmännerfüße küssen würde.

Und hier die Gründe dafür (Reihenfolge bunt zufällig):

1) „Zimmer 1408“

Erwähne ich, dass ich SK gern lese, spielt sich meist folgender Dialog so oder so ähnlich ab:

„Ich mag auch Stephen King.“ – „Uh, der schreibt doch so ekelig. Und immer so langatmig, ich hab mal ein Buch von ihm gelesen, furchtbar. Und so ekelig!“

Ja, nun. Wenn die Romane langatmig sind, und das sind sie teilweise wirklich, das lest doch mal die Kurzgeschichten. Die sind kurz, versprochen. Und einige sind ekelig, ja. Die anderen sind auch mal grausam oder fies, aber es sind, trotz allem, wirklich wunderbare Dinger dabei. „Zimmer 1408“ handelt von einem „ganz miesen Zimmer“. In dem Hotelzimmer passieren die gemeinsten, gruseligsten Dinge mit den Bewohnern – so was muss man mögen. Wenn man es mag, ist es grandios. Der Film ist übrigens auch zu empfehlen (und der Grund für diesen Post).

2) „Die Kinder des Mais“

Auch dazu gibt es einen Film, den ich nicht gesehen habe – aber er soll trashig sein. Mir geht es aber um die Story, und diese über fundamentalistische Kinder im Mittleren Westen, ohne Eltern und mit einem „Propheten“ ist böse, aus den Achtzigern, wenn ich mich nicht täusche, und gut.

3) „The Stand“

Wunderbares Epos. Nur leider zuviel „Kill your Darlings“. Die Querverweise in den Werken von SK beanspruchen ganze Wikis für sich. Ich hätte auch den „Dunklen Turm“ an diese Stelle setzen können. Das (Turm) war eine Verlegenheitsleihe, weil ich nie Fantasy von SK lesen wollte. Trotzdem hat er mich fasziniert, sosehr, dass ich irgendwann ALLE Bände in meinem Zimmer liegen hatte, um sie einen nach dem anderen verschlingen zu können. Aber „The Stand“… kommt mir einfach näher. Hätte ich die Wahl, was ich gern jetzt (morgen, gerade reicht es gerade so zum Bloggen) lesen würde, es wäre „The Stand“.

5) „Dolans Cadillac“

Ahh, die geilste Rachegeschichte aller, aller, aller Zeiten. Typ Mathelehrer kriegt den Mörder seiner Frau dran. War da mal nicht ein Film geplant? Für alle, die es nicht so mit Ekel haben, ist das eine gute Einstiegsgeschichte, die passenderweise auch noch Auftakt eines Kurzgeschichtenbandes ist, ich glaube, es ist „Alpträume“. Herrlich.

6) “Alles was du liebst, wird dir genommen” – Eigentlich eine traurige Sache über einen lebensmüden Vertreter. Aber die aufgezeichneten Klosprüche der Rasthöfe, die er besucht rspektive sammelt, brechen das ganze zu einer bitter-süßen Geschichte. Die Fallhöhe machts.

7) „Puls“

Zombies. Hell, yeah. Und Handys. Und Zombies. Krass und der erste artikulierte Fuß-küss-Grund…

Es gibt noch mehr gute Geschichten von SK, ich hätte ewig weitermachen können.

Nun denkt ihr bestimmt, ich hab ein Rad ab. Aber ich habe noch andere Autorenobsessionen: Tolkien, Preston/Child, Poe, Lovecraft, Pratchett, Sapkowski. Ich bin ein ausgeglichener Mensch, der jetzt Zombies machen… Nein!… Klosprüche ausdenken, nein! Neeeeeeeiiiiiiiiin…!

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